An einem grauen Regentag

  Kürenberger  

Akkorde


An einem grauen Regentag
hat uns der Hauswirt ausquartiert,
und weil die Stadt am Wasser lag,
sind wir nach Norden abmarschiert.
Da stand ein Dorf im nassen Gras,
und als die Sonne wieder schien
und jedes Tier sein Haus besaß,
da mußten wir doch weiter ziehn.
Sie sagten, daß man uns auf tausend Schritt
schon riechen kann, es gäb hier nichts zu erben,
und was man uns vom Brot abschnitt,
das war zuviel für ihrer drei zum Sterben.

Kennt ihr den Hohlweg von Laon,
drei Straß en durch den Tannenwald?
Da hat uns plötzlich ein Cochon
die Kugeln um den Kopf geknallt;
wir wollten ihm den Wagen nur
herausziehn aus dem dicken Dreck,
und alles, was da mit ihm fuhr,
war furchtbar aufgeregt vor Schreck.
Sie sagten, daß man uns auf tausend Schritt
schon riechen kann, es gäb hier nichts zu erben,
und was man uns vom Brot abschnitt,
das war zuviel für ihrer drei zum Sterben.

Der Bauer stiehlt dem Herrn das Brot,
dem Bauer stiehlt es der Baron.
Und einer schlägt den andern tot
für nichts als einen Gotteslohn.
Was übrig bleibt, stinkt in der Welt
herum und hat ein dickes Fell.
Wie gerne machten wir zu Geld
das Fell von Meister und Gesell:
Sie aber sagten, daß man uns auf tausend Schritt
schon riechen kann, es gäb hier nichts zu erben,
und was man uns vom Brot abschnitt,
das war zuviel für ihrer drei zum Sterben.

Der Wein ist teuer und zu dritt
ein Bett im Wirtshaus ist es auch.
Im Beutel ging die Laus nur mit,
das Geld lag längst verfault im Bauch.
Da kamen drei Soldaten her
mit einem roten Band am Hut,
die sagten: ei, für das Gewehr,
da seid ihr alle drei noch gut.
Wir aber rochen schon auf tausend Schritt
den Höllenpfuhl, da gab es nichts zu erben.
Denn wo im Feld die rote Sichel schnitt,
da waren Männer nie genug zum Sterben.


Originaltext: François Villon, dt. Nachdichtung: Paul Zech